Fri Sep 24 2010 17:00:00 GMT-0700 (PDT) | September 2010

Studium

Die ersten paar Tage Unterricht sind nun vorbei und ich habe überall mal reinschnuppern können. Insgesamt belege ich vier Fächer dieses Trimester und ich würde mal sagen, dass ich gemischte Gefühle habe. Generell gibt es hier wesentlich mehr Arbeit zu tun als in Deutschland. Hausaufgaben, Tests, "Mid-terms" und Klausuren gibt es zuhauf in jedem Fach. Außerdem wird sich viel mehr an der Literatur orientiert als in Deutschland, aber dazu später mehr. Von den vier Fächern, die ich belege, ist eines sehr interessant scheint aber mit sehr viel Arbeit verbunden zu sein, ein anderes wird sehr anstrengend und nicht sonderlich angenehm werden, dann belege ich noch einen "General Education" Einführungskurs in Astronomie für "non-majors", also fuer Nicht-Astronomie- und Nicht-Physik-Studenten, der wirklich gut aufbereitet ist und Spaß macht, und noch einen anderen Kurs, der wiederum dem typischen Kurs in Deutschland nicht unähnlich ist mit mehr Selbstständigkeit und mehr Freiheiten. Teilweise ist das interessant gelöst, so gibt es z.B. einen Kurs, bei dem keine Anwesenheitspflicht besteht und wo die Vorlesung auf Video aufgezeichnet wird und über Internet jederzeit einsehbar ist. Normalerweise würde in Deutschland dann niemand mehr in die Vorlesung kommen, aber hier gibt es noch eine Kleinigkeit, die das verhindert, nämlich gibt es am Anfang fast jeder Vorlesung ein Quiz, das direkt in die Note einfließt.

Schwarze Tinte auf toten Bäumen

Jede Vorlesung hat mindestens ein begleitendes Buch, bei dem der Professor genau vorgibt, welche Kapitel bis zu welcher Vorlesung gelesen werden muss und auch davon ausgeht, dass jeder das gemacht hat. Wenn es dann keine weitere Fragen gibt und der Professor nichts weiter hinzuzufügen hat, dann können in den Klausuren Fragen auftauchen, die niemals in der Vorlesung behandelt oder angesprochen wurden, aber im Buch stehen. Das habe ich bei meinem Studium in Deutschland so noch nicht beobachten können. Davon mal ganz abgesehen lese ich aber auch ganz gerne mal ein Nicht-Fachbuch zum Vergnügen. Aber soll ich mir wirklich die ganzen Bücher kaufen und was mache ich mit denen, wenn ich wieder nach Deutschland muss? Die Antwort ist ganz einfach: Ich trenne mich von dem Papier und nutze einen E-Book-Reader. Lange habe ich zwischen dem Kindle und den anderen Geräten, die es noch so gibt, hin- und her überlegt, aber im Endeffekt habe ich mich dann für den Kobo entschieden, weil er nicht so sehr an Amazon gebunden ist, mehr offene Formate unterstützt und etwas billiger ist. ($129, ca. 95 Euro). Der Kobo kommt mit 100 Klassikern und man kann mit dem PC noch weitere ca. 900 Bücher aufspielen entweder als PDF oder im EPUB-Format (Ein spezielles E-Book Format). Das E-Ink-Display ist sehr angenehm zu lesen und nicht zu vergleichen mit normalen, beleuchteten Monitoren. Das Anzeigen einer Seite verbraucht keinen Strom, sondern nur das Wechseln der Buchseite, weswegen die Akkulaufzeit auch mit "2000 Seiten" angegeben wird. Einziger Nachteil: Wenn man im Dunkeln lesen möchte, braucht man eine Leselampe.

Soziales

Es gibt auf dem Universitätsgelände die sogenannten "Student Co-Ops". Damit ist aber nicht die Lebensmittelkette gleichen Namens gemeint, sondern das sind Projekte, bei denen ein Dutzend Studenten gemeinsam in einem Haus auf möglichst ökologische Weise zusammen wohnen. Der Strom wird aus Solarzellen gewonnen, jeden Tag gibt es vegetarisches Essen, das aus den Anbauprodukten im Garten von den Studenten zubereitet wird; Kunst, Musik und ganz generell alternativer Lebensstil wird dort gepflegt.

Man kann sich das ganze auch gut auf den folgenden beiden Webseiten ansehen: Davis Student Co-op und Pierce Co-op.

Gestern Abend fand dort eine kleine Gartenparty statt mit DJ und vielen netten und insbesondere internationalen Studenten. Ich war echt überrascht, wie viele Deutsche hier in Davis studieren. Mittlerweile habe ich schon ca. 14 kennengelernt und das ohne es überhaupt darauf anzulegen.

posted 2010-09-25