Sat Oct 09 2010 17:00:00 GMT-0700 (PDT) | October 2010

Dieses Wochenende habe ich mich auf ein Abenteuer begeben. Auf dem Campus bietet nämlich eine Gruppe mit dem Namen "Outdoor Adventures" Ausflüge und Aktivitäten an und das zu besonders günstigen Preisen. Da ich mir den Yosemite National Park laut einigen Leuten lieber im Frühling ansehen sollte, habe ich mich fuer den Kurs "Introduction to Backpacking", zu Deutsch "Einführung ins Rucksackreisen bzw. Trekking" entschieden. Samstag frueh um 7 Uhr ging es los und am Sonntag um 4 Uhr nachmittags waren wir wieder zurück. Das Ziel? The Sierras ...oder genauer:

Desolation Wilderness im Eldorado National Forest

Ein paar Tage vor Abfahrt gab es ein Treffen, bei dem Organisatorisches besprochen wurde. Insgesamt sind wir 5 Leute, davon 2 "Guides" und drei Studenten. Als normaler Teilnehmer bringt man seinen eigenen Schlafsack und Rucksack mit, oder mietet sich beides, während die Guides sich um Zelte, Abendbrot und alles weitere kümmern.

Nach dem Treffen sind wir zu fünft mit dem Auto ca. 2h bis zum Wrights Lake gefahren. Von dort aus ging es dann zu Fuß weiter. Über Steine, Felsen und Kies; durch Wald, Gras und Sträucher; entlang von Bächen, Seen und Pfaden. Wir haben gelernt, mit Karte und Kompass zu navigieren und dem Pfad mithilfe von sogenannten Cairns zu finden und zu folgen, wobei einer der Guides allerdings dank seines GPS auch immer genau wusste, wo wir waren, und uns wurden verschiedene Arten von Knoten beigebracht. Vom Wrights Lake ging es dann immer weiter nach oben und über einen Pass 8000 feet above sea level, also 2400m über dem Meeresspiegel. Von da aus ging es dann weiter zu den Twin Lakes, wo es einige schöne Plätze zum Zelten gab. Allerdings sind wir nach dem Mittagessen weiter zum Ziel der Reise, zum Island Lake gelaufen. Durch das Schmelzwasser waren die Seen und Bäche gut geflutet, aber noch war relativ warm. Schon in wenigen Wochen wird die gesamte Gegend unter einer dicken Eis- und Schneedecke begraben werden, die erst im Juli nächsten Jahres wieder komplett weggetaut ist. Da wir beim Island Lake keine geeignete Stelle zum Aufschlagen der Zelte fanden, sind wir wieder zurück und haben dann in der Nähe eines der Twin Lakes campiert. Die Guides halfen uns beim Aufbauen der Zelte und hatten auch einen Wasserfilter mit, sodass wir unsere Wasserflaschen mit gefilterten, klaren, frisch getauten, leckeren Eiswassers wieder auffuellen konnten. Das Wasser ist so klar, dass man auch von Weitem bis auf den Grund sehen kann. Die Vegetation ist in der Höhe etwas spärlich, aber die alten, hohen Baeume, die Wasserfaelle und die verschiedenen Felsformationen vermitteln ein interessantes, abwechslungsreiches Bild. Die gesamte Gegend wurde bei der letzten Eiszeit geformt, was man auch an vielen Kleinigkeiten erkennen kann. Tiere haben wir nicht, bzw. kaum gesehen, wohl aber ein paar andere Wanderer, die teilweise auch mit ihren Hunden unterwegs waren.

Nach dem Aufbauen der Zelte haben haben wir uns dann mithilfe eines kleinen Brenners Wasser in einem Topf erhitzt und dann Couscous mit Brokkoli, Käse, Zwiebeln und Hühnchen gegessen. Als Dessert gab es dann ein ganz besonderes Geheimrezept, dass sich sehr leicht mithilfe von Tofu und ein paar anderen Sachen zubereitet lässt und so ein bisschen wie Käsekuchen schmeckt. Danach haben wir dann das gesamte Geschirr und alle Sachen, die mal in Kontakt mit Essen kamen, in ein paar große Tüten gepackt und 100m von den Zelten entfernt in 5m Höhe an einen Baum gehangen. Das ist zum Schutz des Proviants und vor allem zu unserem eigenen Schutz vor Bären gedacht, die generell in der Gegend nicht ungewöhnlich sind (allerdings eher selten bis hinauf zu den Twin Lakes kommen).

Der Sternenhimmel war atemberaubend. So etwas habe ich noch nie gesehen. Da es weit und breit keine Quelle künstlichem Lichts gab und in der Höhe auch die Luft sehr rein und die Atmosphäre dünn ist, und außerdem noch der Mond in der Nacht unterhalb des Horizonts war, konnte man unglaublich viele Sterne sehen. Der Himmel schien fast ausschließlich aus Sternen zu bestehen, sodass man kaum noch die Zwischenräume zwischen den Sternen erkennen konnte. Auch die Milchstraße war kaum zu übersehen und erstreckte sich einmal quer über den Himmel. Ich habe probiert ein paar Fotos zu machen, allerdings musste ich dann feststellen, dass ab einer Belichtungszeit von über drei Minuten die Erdrotation die Sterne auf dem Bild verwischt. Ideal wäre dann natürlich ein Teleskop oder Stativ, dass sich mit der Erdrotation mitdreht. Vom Sternenhimmel begeistert, habe ich meinen Schlafsack auf eine Matte außerhalb des Zeltes gelegt und bin dann mit Blick zum Sternenhimmel eingeschlafen. Der Schlafsack ist bis -18 Grad Celsius zugelassen und extrem warm, außerdem habe ich mich wie eine Mumie zugeschnürt, sodass nur noch ein kleines Loch zum Atmen übrig blieb. Dennoch bin ich nach ein paar Stunden aufgewacht und ins Zelt umgezogen, da selbst durch dieses kleine Loch doch recht eisige Luft hineinströmte. Die Temperatur kann sich so hoch im Gebirge und mit so geringer Luftfeuchtigkeit doch überraschend schnell ändern.

Am nächsten Morgen habe ich dann einen heißen, japanischen Tee und einen Pop Tart genossen, während ich auf einem hohen Felsen saß und der Sonne zugesehen habe, wie sie langsam über den Berggipfel kroch, ins Tal schien und dann hoch zum Himmel hinaufstieg. Einer der Guides hatte wohl Probleme mit seiner Verdauung, aber ansonsten war alles in Ordnung und so haben wir alles abgebaut und aufgeräumt und sind dann langsam wieder Richtung Wrights Lake zum Auto gewandert. Wie es typisch für die UC Davis ist, so stand auch bei dieser Aktivität wieder Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Vordergrund. Das gilt allerdings nicht nur für diesen einen speziellen Trip, sondern es gibt generell eine Backpacking-Bewegung, bei der es darum geht, die Natur so wenig wie möglich zu beeinflussen ("low impact") und am besten gar keine Spuren zu hinterlassen ("leave no trace"). Dazu gehört nicht nur, dass der gesamte Müll mitgenommen wird, sondern z.B. auch dass der Boden nicht umgegraben wird, Schilder oder Wegweise aufgestellt, Steine verlegt oder Äste abgebrochen werden und die "Toilette" mindestens 50 Meter von jeglichem Wasser entfernt sein muss. Das gesamte Gelände Desolation Wilderness darf nur mit voriger Erlaubnis betreten werden (siehe Bild) und es gibt ein bestimmtes Limit, wie viele Menschen sich gleichzeitig dort aufhalten können. Das alles dient dazu, die Natur so unberührt wie möglich zu lassen, damit auch noch in vielen Generationen, Menschen dieselben Erfahrungen machen können, die wir gemacht haben.

  • Leave nothing but footprints.
    Take nothing but photos.
    Kill nothing but time.
    Keep nothing but memories.

  • Hinterlasse nichts, außer Fußspuren.
    Nimm nichts auf, außer Fotos mit deiner Kamera.
    Schlage nichts tot, außer die Zeit.
    Behalte nichts, außer deine Erinnerungen.

posted 2010-10-10